„Das ist dann reine Überlebensstrategie“
Resilienz als Stabilisierung struktureller Überforderung im elementarpädagogischen Handlungsfeld
DOI:
https://doi.org/10.17883/pa-ho-2026-02-02Schlagwörter:
Resilienz, Vulnerabilität, strukturelle Überforderung, Helfermotiv, ElementarpädagogikAbstract
Seit den entwicklungspsychologischen Langzeitstudien von Emmy Werner und Ruth Smith (1989/2001) wird Resilienz als protektiver Faktor menschlicher Entwicklung verhandelt; im erziehungswissenschaftlichen Diskurs avancierte der Begriff seither zu einer ebenso wirkmächtigen wie ambivalenten pädagogischen Leitkategorie. Dabei dominierte lange eine individualisierende Schutzlogik, während organisationale, machtanalytische und strukturelle Bedingungen pädagogischen Handelns weitgehend ausgeblendet blieben. Neuere Beiträge fokussieren demgegenüber eine „Pädagogik der Vulnerabilität“ (Seitzer et al., 2026) und rücken anthropologische Dimensionen von Verletzbarkeit sowie deren institutionelle Hervorbringung in den Mittelpunkt. Vulnerabilität erscheint hier nicht primär als ein zu reduzierendes Risiko, sondern als grundlegende Bedingung pädagogischer Beziehungen, die zugleich durch organisationale Strukturen verstärkt, stabilisiert oder verdeckt werden. Der Beitrag fragt kritisch, wie resilienzbezogene Anforderungen im elementarpädagogischen Feld entstehen, vermittelt und subjektiv angeeignet werden und welche Funktion sie unter den gegenwärtigen Bedingungen struktureller Überforderung (Wehrmann, 2023) erfüllen. Ausgangspunkt ist die Annahme, dass Resilienz und Vulnerabilität nicht als Kontinuum, sondern als professionelle Antinomie (Helsper, 2004; 2021) zu verstehen sind. Die zentrale These lautet, dass Resilienz dort zur Stabilisierung struktureller Defizite beiträgt, wo sie im bildungspolitischen und professionsbezogenen Diskurs als individuelle Bewältigungsanforderung adressiert wird (PH NÖ, 2024; Krienzer & Mooshammer, 2024; Hofmann & Kruse, 2021). Organisationen fungieren dabei als programmatische Vermittlungsräume, in denen normative Erwartungs- und Verantwortungslogiken wirksam sind und strukturelle Zumutungen in subjektive Selbstzumutungen übersetzt werden. Auf der Grundlage einer rekonstruktiven biografischen Einzelfallstudie wird gezeigt, wie resilienzbezogene Orientierungen biografisch habitualisiert und professionsethisch legitimiert werden. Die Analyse verdeutlicht, dass helfende Motive und Verantwortungsdispositionen dazu beitragen können, organisationale Überforderung subjektiv zu stabilisieren, zugleich aber Grenzsetzungen und professionelle Selbstbegrenzung erschweren.
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